Fragen

... zum Heilpraktiker für Psychotherapie

Wieso Heilpraktikerin zusätzlich zum Theatertherapie-Studium?

 

In Deutschland sind Heilberufe und deren Ausübung klar geregelt. Kunsttherapeuten, Theatertherapeuten u.a. haben kein medizinisches Studium absolviert. Sie dürfen zwar in Psychiatrien und Tageskliniken therapeutisch arbeiten, da sie dort unter der "Aufsicht" eines Arztes / einer Ärztin stehen und angestellt sind. Wenn sie jedoch selbstständig therapeutisch in eigener Praxis arbeiten möchten, benötigen sie zusätzlich eine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz.

Darf eine Heilpraktikerin für Psychotherapie Medikamente (Psychopharmaka) verschreiben?

 

Nein. Eine Heilpraktikerin ist keine Medizinerin und darf deshalb auch keine Medikamente verschreiben. Psychische Störungsbilder, die eine organische Ursache (z.B. Demenz) oder eine Ursache im Hirnstoffwechsel haben (z.B. Schizophrenie, bipolare Störung, schwere Depression) und medikamentös behandelt werden sollten, gehören in den Bereich eines Facharztes oder einer Fachärztin.

Welche Ausbildung oder Qualifikation hat eine Heilpraktikerin für Psychotherapie?

Es gibt Heilpraktiker und Heilpraktiker für Psychotherapie. Letztere beschränken sich in ihrer Ausbildung und Prüfung auf psychotherapeutische Themengebiete und dürfen im Berufsleben keine körperlichen Beschwerden behandeln.

 

Die Ausbildung für Heilpraktiker ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Um die Bezeichnung "Heilpraktikerin für Psychotherapie" tragen sowie berufsmäßig Störungsbilder feststellen und behandeln zu dürfen, braucht man eine Erlaubnis durch das Gesundheitsamt. Dort legt man ein ärztliches Attest über die eigene körperliche und psychische Eignung und ein polizeiliches Führungszeugnis vor und weist nach, welche Therapiemethode man erlernt hat und anwenden möchte (in meinem Fall Theatertherapie, erlernt durch ein 4-jähriges Hochschul-Studium an der HfWU Nürtingen).

 

In einer schriftlichen Prüfung durch das Gesundheitsamt wird Fachwissen über gesetzliche Grundlagen, klassische Therapieformen sowie sämtliche psychische Störungsbilder abgefragt, wie Demenzen, Alkoholsucht und Drogen-Abhängigkeit, Schizophrenien, Depressionen und Manie, Essstörungen, Zwangsstörungen, Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen, ADHS, Autismus, Tic-Störungen u.a.

 

Es wird vorausgesetzt, dass man Fachbegriffe wie "rezidivierende zerebrale Insulte" oder "somatoforme autonome Funktionsstörung des kardiovaskulären Systems" beherrscht und verschiedene sich ähnelnde Störungsbilder differenzialdiagnostisch voneinander abgrenzen (unterscheiden) kann. Um die Prüfung zu bestehen, muss man mindestens 75% der Fragen richtig beantworten.

Danach folgt noch eine mündliche Überprüfung durch das Gesundheitsamt, meist durchgeführt von einem Facharzt /  Fachärztin und einem Psychologischen Psychotherapeuten / Psychotherapeutin. An einem vorgegebenen Fallbeispiel (Klient/in mit bestimmten Symptomen) muss dargelegt werden, wie man diagnostisch und therapeutisch in diesem Fall vorgehen würde.

 

Eine Heilpraktikerin für Psychotherapie muss erkennen können, wann eine organische Ursache von einem Facharzt abgeklärt werden muss, wann ein psychisches Störungsbild vorliegt, das in die Hände eines Psychiaters oder einer Neurologin gehört und mit Medikamenten behandelt werden sollte, und auch, wann eine Selbstgefährdung oder Fremdgefährdung vorliegt. Nur wenn sie das erkennen und entsprechend handeln kann, stellt sie "keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung" dar und erhält die Heilerlaubnis.

 

Die Heilpraktikerprüfung für Psychotherapie ist nicht mit einem Medizinstudium oder Psychologiestudium zu vergleichen, bedarf aber dennoch einer mindestens halbjährigen Ausbildung und Vorbereitung, um sie bestehen zu können. Hinzu kommt die Ausbildungszeit für eine konkrete Therapiemethode sowie regelmäßige Weiterbildung und Supervision.

 

Mein Tipp: Bei der Suche nach einer geeigneten Heilpraktikerin immer darauf achten, welche weiteren Qualifikationen sie hat und welche Therapieform sie anbietet.