Wie läuft Theatertherapie (Dramatherapie) ab?

Gruppentherapie

Dramatherapie eignet sich besonders gut für kleine Therapiegruppen mit 6 - 8 Personen. Die Therapie verläuft über einen Zeitraum von mehreren Wochen oder Monaten, etwa einmal pro Woche. Eine Therapieeinheit dauert meist 90 Minuten. Darüber hinaus sind therapeutische Einzelgespräche zwischen Therapeutin und Klient/in sinnvoll.

Material

Es kann mit vielfältigem Material und unterschiedlichen Medien gearbeitet werden, zum Beispiel: Fotografie, Text, Papier und Farbe, Musik, Bewegung im Raum, dem eigenen Körper, der eigenen Stimme, allein in der Gruppe, zu zweit in der Gruppe, mit der ganzen Gruppe, mit Masken, Requisiten, Handpuppen, Tierfiguren, Rauminstallationen, einzelnen oder mehreren Stühlen, farbigen Tüchern, ...


Ablauf einer Sitzung

Niemand wird "ins kalte Wasser" geworfen. Die ersten Therapieeinheiten sind dazu da, ein vertrauensvolles Gruppengefühl zu entwickeln, Erwartungen und Ziele zu klären sowie die Methoden kennenzulernen. Es besteht immer die Möglichkeit, an einer Übung nicht teilzunehmen, wenn man sich dabei unwohl fühlt.

Auch eine einzelne Sitzung ist so aufgebaut, dass zu Beginn Zeit ist "warm" zu werden, zu äußern wie man sich gerade fühlt, langsam miteinander in Kontakt zu kommen. Erst dann beginnt die eigentliche Therapie. Am Ende jeder Therapieeinheit gibt es außerdem eine Abschlussrunde zum "Runterkommen" und Ausklingen der Sitzung.


Methoden


6-Bilder-Geschichte und Heldenreise

Die Heldenreise geht u.a. auf Joseph Campbell zurück, der sie als Muster in allen Geschichten verschiedener Kulturen erkannte. Auch Spielfilme sind danach aufgebaut. Im therapeutischen Kontext wird sie oft als sogenannte 6-Bilder-Geschichte nach Alida Gersie umgesetzt.

Am Anfang steht ein Held / eine Heldin, es ist die Hauptfigur der Geschichte. Sie folgt einem Ruf, hin zu einem Ziel - die Mission beginnt. Ein Helfer / eine Helferin begegnet ihr, das kann ein Mentor sein, aber auch ein Werkzeug oder ein Tier. Diesen Helfer braucht sie auch, denn ein Hindernis stellt sich ihr in den Weg. Kann die Heldenfigur das Hindernis überwinden? Wie schafft sie das? Zum Schluss erreicht sie das Ziel und gewinnt neue Erfahrungen und Erkenntnisse.

Die Geschichte wird in sechs einfachen Bildern gezeichnet und kann anschließend als szenisches Spiel umgesetzt werden. Dabei kann der Autor / die Autorin verschiedene Rollen (Held/in, Helfer/in, Hindernis) und verschiedene Strategien ausprobieren oder als Zuschauer/in von außen zusehen.

 


Biografisches Rollenspiel

Das Rollenspiel ist eine klassische Methode, die auch in der Verhaltenstherapie angewendet wird. Real erlebte Situationen aus der eigenen Biografie werden nachgespielt und verändert. Wie habe ich mich in der Situation gefühlt? Wie habe ich reagiert? Und wie könnte ich statt dessen reagieren und handeln?

Es können Situationen gespielt werden, die in der Zukunft noch bevorstehen und vor denen man Angst hat. Das ermöglicht ein "Probehandeln" und eine Vorbereitung auf diese Situation. Auch ist es möglich, die Rollen zu tauschen. Wenn es um einen Konflikt mit einem Freund geht, könnte man als Klient/in in die Rolle des Freundes schlüpfen und die Situation aus seiner Position spielen. Ein Perspektivwechsel findet statt und hilft, neue Lösungsansätze zu erkennen.


Märchen, archetypen und Symbole

Märchen waren ursprünglich keine Geschichten für Kinder, sondern wurden von und für Erwachsene erzählt. Sie stecken voller symbolischer Bedeutungen und sogenannten Archetypen, also Gestalten, die den Menschen in allen Kulturen und seit Urzeiten bekannt sind. Zum Beispiel die alte Weise, die Rebellin oder der Entdecker. Der bekannte Psychoanalytiker Carl Gustav Jung war einer der ersten, der sich eingehend mit Archetypen sowie Symbolen des Unbewussten beschäftigt hat.

In der Theater- und Dramatherapie kann durch die Arbeit mit Märchen eine "ästhetische Distanz" zu den Rollen geschaffen werden. Als Rumpelstilzchen darf man wütend sein, toben und auf den Boden stampfen - auch wenn man das im realen Leben vielleicht niemals tun würde.

Themen wie Angst, Verführung, Tod, Trauer, Prüfung, Liebe, Verirrung, Aufopferung, Kampf oder Abschied kommen in den Märchen vor und können mit der eigenen persönlichen Bedeutung verknüpft und verarbeitet werden.


Masken und Verkleidung

Auch Masken und Verkleidung, zum Beispiel aus farbigen Tüchern, stellen eine Form der Verfremdung dar und schaffen eine "ästhetische Distanz". Hinter einer Maske kann man sich verstecken, man muss nicht sein wahres Gesicht zeigen. Gleichzeitig schaffen Masken und Verkleidungen die Möglichkeit, zu jemand ganz Anderem zu werden - nicht nur in der Vorstellung, sondern sichtbar.

Im therapeutischen Prozess können Masken von den Klientinnen und Klienten selbst hergestellt werden. Aufwändig aus Gipsbinden und Acrylfarbe oder ganz schlicht aus Papiertüten wie auf diesem Foto. Dabei geht es nicht darum, ein handwerklich perfektes Kunstwerk zu schaffen, sondern sich selbst auszudrücken und auszuprobieren. Soll meine Maske Schönheit zeigen oder soll sie ganz bewusst hässlich aussehen, um die inneren Ängste nach außen zu transportieren? Soll sie lachen oder soll sie weinen, zornig blicken oder zwei ganz widersprüchliche Seiten zu einem einzigen Gesicht verbinden?


Rasa Boxes

Die Methode der "Rasa Boxes" wurde von Richard Schechner entwickelt.

 

(wird demnächst ergänzt ...)